Als die Tiere den Wald verließen, Staffel 3 Preorder!

Nachdem die DVD von Staffel 2 lange hat auch sich warten lassen scheint es mit der letzten Staffel von “Als die Tiere den Wald verließen” schneller zu gehen: Preorder it now (und bestellt die alten gleich mit, wenn ihr sie noch nicht habt), um endlich mal eine Kindheitserinnerung aufzufrischen, die nicht so tragisch enttäuscht wird wie z.B. Koalabären (urghs).

Staffel 1: Staffel 2: Staffel 3: 

Inhalte im Netz: Positiv- und Negativbeispiel

Negativbeispiel: Die Webseite der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Fokus liegt auf allem, aber nicht auf dem Inhalt. Die komplette Seite ist am linken Bildschirmrand angedockt. Nach oben und zu den Seiten wird immens Platz verschwendet (von dem billig wirkenden grauen Hintergrund mal abgesehen). Der Text selbst schwankt in der Textbreite hin und hier, da er um ein unpassend formatiertes Bild zum Artikel herumfließen muss. Unter dem Text, der in einer kleinen serifenlosen Schriftart formatiert ist, gesellen sich erst mal ein paar Links zu irgendwas anderem bevor die Kommentare zum Artikel kommen (die unten erneut von Links zu völlig anderen Themen eingeramt werden). Wie gut die Empfehlungen zu anderen Artikeln funktionieren erkennt man daran, dass einem der selbe Artikel den man gerade liest noch einmal empfohlen wird. Von den Popups mit anderen Artikeln und Werbung mitten im Text will ich mal gar nicht anfangen…

Als Positivbeispiel nehme ich jetzt mal Zeit Online, aber das bezieht sich nur auf das Design. Ich fasse mich mal kurz: die gesamte Seite ist zentriert, der Text in großer Serifenschrift. Die linke Spalte der Seite ist von oben bis unten dem Artikel gewidmet. Im Text befinden sich Links zu anderen Artiklen zum Thema. Unter dem Artikel sind Links zu anderen Artikeln zum Thema.

P.S.: dieses Blog ist eine Baustelle und soweiso nur eine Ablage für Sachen, die für Twitter zu lang sind… ich mach hier nämlich auch ganz viel ganz furchtbar ;-)

Neiddebatte auf Twitter

Alles was keinem anderen schadet ist okay.

Eine Spendenaktion für ein MacBook für @hoch21 ins Leben rufen? Voll okay. Den Aufruf zu einer MacBook-Spenenaktion zum Twittern albern finden? Völlig in Ordnung. Leute doof finden die die Spendenaktion albern finden? Klar. Spenden? Super, wenn man die Aktion gut findet. Nicht spenden? Keine Frage.

Leute Beleidigen, egal welche Meinung sie haben: ihr Arschlöcher habt wohl ein Rad ab. Leuten Zynismus oder Neid vorwerfen? Hochgradig peinlich und völlig überzogen. Einen Shitstorm nur aus Spaß mitmachen? It’s Twitter, stupid! Einen Shitstorm wirklich bitterernst nehmen? Get a life.

Multipersonenorganisationskommunikationskanäle

Organisation eines Ereignisses mit mehreren Personen. Ein Vergleich von Kommunikationskanälen.

E-Mail

Allgemein die unübersichtlichste Lösung. Kein einheitlicher Nachrichtenstrang, jeder macht einen Reply-to-all zu jeder Nachricht einzeln, die Mailkonversatinen splitten sich gern mal in mehrere parallele auf. Unnendlich viel overhead durch Signaturen, fuchtbare Zitateinrückungen, Mailüberschrift, Empfänger-Listen und CC’s.

SMS

Keine “Reply to all”-Funktion. Gegebenenfalls Kosten pro Nachricht. Zeichenbeschränkung. Nur auf einem Gerät abrufbar. Dafür allerdings schnell und praktisch von jedem Verwendbar.

Instant Messaging

Gruppenchats sind häufig hakelig, da jeder andere Clients verwendet. Keine zentrale Protokollierung, jeder muss sich lokal den Textverlauf sichern um geschriebenes Nachvollziehen zu können. Die Gesprächsführung ist häufig, wie man es in Chats halt gewöhnt ist, abgehackt.

IRC

Nicht privat (zumindest per default), nicht protokolliert (zumindest ohne selbst tätig zu werden). Ansonsten Chatproblematik.

Twitter

Schnell, überall verfügbar (Handy, Browser, etc…). Allerdings ist die einzige Sortierung die Twitter bietet die Zeit. Replies verbrauchen den begrenzten Platz in Nachrichten. Gespräche mit mehreren sind nicht als einzelner Konversationsstrang nachvollziehbar. Außerdem wird schnell mal jemand bei dem Gruppen-Replies vergessen, weil man die Empfänger bei jeder Nachricht alle einzeln eintragen muss oder einzelne Gesprächspartner führen untereinander eine Parallelkonversation. Des weiteren völlig öffentlich (DM’s fallen raus, da hier nur ein Empfänger möglich ist).

Facebook

Mit der Gruppenfunktion nicht öffentliche Diskussion möglich. Einbindung von Links etc. in Nachrichten Möglich. Diskussionsstränge, zentral protokoliert von allen Geräten abrufbar. Allerdings Datenschutzbedenken. Terminerstellung möglich.

Google+

Alles was für Facebook gilt (Gruppen / Circle), allerdings mit dem Nachteil dass Facebook die größere Userbasis hat.

Keynote-Bingo

iOS

Ein konkreter weltweiter Releasetermin für iOS5 wird genannt werden, und zwar noch in dieser oder spätestens nächster Woche. Das neue iPhone mit A5-Prozessor kriegt das Assistant-Sprachsteuerungsfeature exklusiv.

iPhone

Es gibt ein neues iPhone mit neuem Prozessor und mehr RAM um das Assistant-Sprachfeature zu unterstützen (hierauf bezieht sich übrigens das “Let’s Talk” im Namen der Präsentation). Das iPhone 4 wird das günstige Modell. Die Theorie mit zwei neuen iPhones, einem iPhone 5 und einem verbesserten iPhone 4S, kann ich mir schwer vorstellen, da Apple bereits seit einiger Zeit parallel zu der iPhone 4- und iPhone 3GS-Produktion zwei weitere iPhones in sehr großen Mengen hätte produzieren müssen. Dazu fehlen Apple, wie man beim den Verkaufsstarts von iPhone 4 und iPad 2 gesehen hat, die Kapazitäten. Sie werden mehr darauf aus sein den Markt diesmal von Anfang an ausreichend zu versorgen. Da wird ein nach über einem Jahr optimierter iPhone 4 Produktionsprozess hilfreich sein.

Eine neue Kamera mit mehr Megapixeln (fürs Marketing) ist obligatorisch. Ob das neue iPhone ein Redesign wird oder das Design des iPhone 4 beibehält: who knows. Falls ja wird das Gerät keinen größeren Bildschirm haben. Apple ändert der Entwickler wegen nicht die Bildschirmauflösung und der eigenen Retina-Definition wegen nicht die DPI-Zahl. Bei dem Teardrop-Design schließe ich mich John Grubers an: eine nicht symmetrische iPhone-Rückseite wäre unpraktisch wenn man das Gerät quer hält, und das tut man gerade zum Tippen, Fotos anschauen oder spielen sehr häufig. Wenn ein Aluminium-Design kommt, dann wird es sehr stark dem iPad 2 ähneln.

iCloud

Der Release von iTunes Match bzw. iTunes in the Cloud wird in mehr Staaten als den USA stattfinden. Falls Deutschland dabe ist könnt ihr euch sicher sein dass ich zuschlagen. Für die USA wird Apple (nach harten Verhandlungen) das Redownload- bzw. Streaming-Feature von gekauftem Film- und/oder Seriencontent freischalten.

iPod

Der iPod Classic stirbt mit großer Sicherheit. Nano bekommt unter Umständen ein Update, der Shuffle hat als beliebtes Nischenprodukt eine geiwsse Überlebenschance. Interessant wird der iPod Touch: er bekommt einen SIM-Kartenslot und wird mit iMessages und Facetime zum vertragsfreien (Month-by-Month-Flats ohne Laufzeit) Mini-iPhone. Er wird vor allem bei Familien das Weihnachtsgeschäft in Grund und Boden dominieren.

Steve Jobs

Wenn es Jobs Gesundheitszustand zulässt wird er das Sprachsteuerungs-Feature als größte Revolution seit Multitouch präsentieren. Falls er die Bühne betritt sage ich minutenlange Standing Ovations bevor. Den Rest macht das übliche Team um Tim Cook.

Time Capsule

Da bin ich mir absolut nicht sicher, aber der Art und Weise nach wie Apples iCloud mit Fotos umgeht (nur eine begrenzte Anzahl online speichern und den Rest auf einer Festplatte des Users) würde ich fast auf eine neue Netzwerkfestplatte von Apple tippen, die als Terrabytegroßer Fotospeicher dient. Wobei das dann eher in Richtung Wunschvorstellung geht.

My Sonic Youth

Meine Beziehung zu Sonic Youth’s wichtigsten Alben in der Kurzfassung…

“Dirty” ist das “London Calling” des Grunge: jeder Song ein Hit. Knisterndere Zerre und gesellschaftspolitische Texte, im Herzen alles catchy Pop-Hits.

“A Daydream Nation”… der Klassiker. Musikhistorisch vermutlich das Album. DAS Album. Teenage Riot ist vermutlich der Grund. Wenn man ein Album mit so einem Song anfängt ist man quasi schon automatisch in der Geschichte der Popmusik verankert.

“Nurse” und “Murray Street”. Verspielt, ruhiger, dudelig wenn man es negativ meint. Wenn man es negativ meint hat man vermutlich keine Ahnung von schöner Musik.

“The Destroyed Room”. Ich liebe das Cover, ein Bild des Fotografen Jeff Wall. Ich liebe das Album; eine B-Seiten-Sammlung; weil ich beim ersten Hören der Schallplatte dachte es wäre etwas kaputt.

“Rather Ripped” ist Indie. Beziehungsweise Indie wie er sein sollte. Reena, Incinerate, Rapture… Hits. Aber mit diesem gewissen Unterton.

“The Eternal” ist der Beweis, dass Sonic Youth auch noch Rocksongs schreiben kann. Sacred Trickster oder Anti-Orgasm anyone?

Soll ich von Sonic Youth’s diversen “SYR”-Projekte anfangen? Das ist Rauschen, Lärm, Geräusche, Experimentalität. Wenn das überhaupt ein Wort ist.

They’re here to stay

Manche in meinem Freundeskreis denken, dass meine neu entflammte Leidenschaft für My Little Pony: Friendship is Magic bald wieder vorbeigehen wird. But it won’t. My Little Pony: Friendship is Magic sendet eine zeitlose Botschaft der Freundschaft und Harmonie, des Verständnisses und Miteinanders aus. My Little Pony ist großartig geschrieben und liebevoll animiert. Der Humor ist eine Mischung aus Slapstick und subversiver Nerdigkeit. Haters gonna hate. I won’t care. Bronylove forever!

Diskussion mit einem Anarchisten

Alles begann so friedlich an diesem Montag, mit einem Tweet von mir, der mein Interesse an einem iPad bekunden sollte. Die Reaktion die ich erhielt und meine alberne Antwort traten allerdings etwas los, das ich bald nicht mehr kontrollieren konnte: eine Twitter-Diskussion; oder wie Social Medienberater meinen Klischeevorstellungen nach sagen würden: eine Tweeskussion. Oder so. Falls die elende Fickscheiße hier jemand lesen sollte: ich empfehle das letzte echte Punk-Album als Soundtrack. Join the deadly rythm! Jedenfalls konterte ich den Kommentar des Users @peak_as (mit dem ich vorher schon kurzen, ungeschützten Kontakt hatte), hinter dem ich eine Anspielung auf das Locationgate getaufte Drama um die consolidated.db-Datei auf allen iOS-Geräten vermutete, mit einem klassischen Paranoia-Witz.

@sofakissen: @Peak_As Warte, ich bastel dir gleich einen Hut sobald ich etwas Alufolie finde.

@peak_as Angriff ist die beste Verteidigung, wenn ich keine Ahnung habe bezeichne ich den anderen eben als Verschwörungstheoretiker. cc @sofakissen

Pah! Ein klarer Angriff auf meine Itegeretitität! Konnte ich nicht auf mir sitzen lassen… scheinbar meinte der Typ es wirklich ernst. Also zog ich meine Samthandschuhe aus und zog zwei Uzis, bis zum Anschlag geladen mit stechenden Fragen. “1. orten kannste jedes Handy 2. ich liebäugle mit einem 3Glosen iPad 3. wenn du locationgate meinst hast du was nich kapiert. Und “Aluhutträger” muss nicht gleich Verschwörungstheoretiker heißen…”

Ungeduld machte sich breit. Wollte er sich so einfach geschlagen geben? Mein Verlangen nach einer unterhaltsamen Diskussion ließ allen Verstand aus meinen Poren fließen… Druck durch Capslock und Smileys! Also sprach forderte ich nachdringlich “Kommt noch ‘ne Erklärung oder so? Oder werd ich nur gnadenlos angeprangert für meinen mangelhaften Diskussionsstil? *LOL* (y_)y @PEAK_AS! Y U NO TELL ME REASON Y I AM SO STUPID!!!11″

@sofakissen Ich sehe keinen Grund, das weiter zu vertiefen, die Fakten sind dir offenbar bekannt, trotzdem siehst du kein Problem darin…

Ich war zutiefst verletzt. Nebenbei erwähnt: zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch es handelte sich um einen gezielten Apple-Diss, den ich als Stockholm-Syndromant doch nicht auf mir sitzen lassen konnte. Zumal ich mich lange genug durch die Locationgate-Debatte geprügelt hatte um “APPLE HAT UNSERE DATEN!”-Rufe schon aus Prinzip (obwohl ich keine Prinzipien hab) kontern zu müssen. Ich ließ nicht locker. “Du kennst offenbar andere Fakten als ich. consolidated.db hat mit Echtzeitortung nichts zu tun. Hast du ein Handy? Oder ein Smartphone?” Ich wollte einen wunden Punkt. Hätte er selber ein Handy könnte ich ihn kaputtlollen! “Ja, ich habe ein Handy, dass ich auch ausschalte, wenn ich es für notwendig erachte… ;)

Fuck. Das klappte schonmal nicht. Aber ich wollte mehr, mehr Information! “Jetzt mal ohne Scheiß, link mir bitte mal wie die Polizei ein iPad in Echtzeit ortet.” “Ich bin kein Ermittlungsbeamter, aber du brauchst einen Einwahlknoten und dein IPad hat eine feste Adresse, somit traceroute etc” Aha! Also geht es garnicht um Apple-Bashing. Jetzt war die Frage: wusste er mehr als ich? Oder war er einfach nur ein paranoider Twitterer. I went on: “…also etwas das für jedes Mobil-Internet-fähige Gerät gilt? Also hat die Polizei eine Datenbank aller MAC-Adressen, die sie dem Besitzer zugeordnet hat und ortet einen über IP/Funkzelle? Was sind denn “evtl. weitere Möglichkeiten”?” Ich wollte es wissen. Ein Teil von mir wollte es ironiefrei wirklich nur wissen, wovon er redete. “Achso, du spielst darauf an, dass die Polizei nicht weiß, wem das IPad gehört?” Ich ignorierte den Schmerz in meiner Fanboy-Seele dass er das I groß schrieb. “Woher hat die Polizei denn diese gewaltige Datenbank die dafür nötig wäre. Quellen?” Ich wollte belegbare Fakten. Er konterte: “Wie kann die Telefongesellschaft zuordnen, wer die Gebühren für die gerade gedownloadete Software bezahlt? Die Polizei braucht keine Datenbank, wenn sie sich den Zugriff auf sämtliche Telefondienstanbieter sichert.” “Das ist ja genau der Kram um den es bei der Vorratsdatenspeicehrung geht. Einzige Lösung? Handy wegwerfen. Warum da jetzt gerade ein iPad ohne 3G den Kommentar von dir ausgelöst hat verstehe ich aber noch immer nicht.” Ich dachte damit wäre die Diskussion beendet, das Problem der möglichen Überwachung unserer Mobilgeräte ist halt da. Ich hatte schon damit angeschlossen, als an dem Logo meiner Twitter-App ein kleines rotes Icon erschien. Eine neue Nachricht. Nichtsahnend öffente ich die App und wechselte zum Mentions-Reiter…

“Es gibt immer noch die Alternative der #Revolution um die ganzen Strukturen mit einem Schlag abzuschaffen…”

Puh.

Kurz nach dem ich diese Nachricht, die das Thema definitiv in eine andere Richtung lenkte schlug noch ein “Das war eher Zufall.” von ihm bei mir auf, das war wohl auf meine vorherige Frage bezogen. Wahrgenommen habe ich das schon nicht mehr. Revolution war das Thema. “Gibt’s schon ‘nen Plan für nach der Revolution?” “Meinst du das jetzt ernst?” “Ja.” Ich spürte schon dass er dachte meine Nachfrage wäre Sarkastisch gemeint. Es klang so als wäre es selbstverständlich dass man wüsste von welcher Revolution die Rede sei. Da war offenbar etwas an mir vorbeigegangen. Aber eine Revolution ist ja nur ein Mittel zum Umschwung. Umschwung von was zu was war die Frage, die mich jetzt wirklich interessiert. “Wie sieht die Welt nach der Revolution aus. Wessen Revolution. Revolution allein ist ja nicht Abendfüllend.” Ein Monty Python-Zitat ist auch bei einer ernst gemeinten Frage nie unangebracht, wie ich finde. “Sorry, die Diskussion kann ich auf Grund meines ätzenden Humordefizits nicht weiter führen.” Whatthefuck? Nach einem Augenblick verstand ich was er meinte. Kurz zuvor hatte ich @harminfo entflogt, da er mir zu viele Tweets des extrem kapitalismuskritischen Accounts @_capitalism_ per Retweet in die Timeline spülte. Dessen Tweets im Stile von “I am capitalism…” und ich fresse deine Kinder und so weiter waren symptomatisch für viele Systemkritiker: völliges Fehlen von Humor, auch als “Alice Schwartzer-Syndrom” bekannt. In diesem Bezug twitterte ich auch etwas, ohne den Account direkt zu erwähnen. Er fühlte sich offenbar angesprochen und beleidigt.

“OK. Sorry… aber viel Spaß noch bei der Revolution. Is’n schönes Wort und so.” Revolution ist ein Wort das viel benutzt wird, aber nur selten mit genug Inhalt gefüllt wird, das der Größe dieses Wortgefäßes auch nur annähernd gerecht wird.

“Sollten wir irgendwann noch mal in eine Disskussion geraten, sag vorher bescheid, dann baue ich paar Witze ein…” Ich weiß nicht ob das Doppel-S ein Scherz sein sollte oder ein Tippfehler. “Ne, scheiss auf Witze. Quellen und Antworten. Aber sei halt eingeschnappt weil ich @_capitalism_ doof finde.  Außerdem hast du’s ja nicht zu ‘ner Diskussion kommen lassen. Ich würd echt gern wissen was nach der Revolution kommt.” “Auch in der Annahme, dass dein Verlangen purer Sarkasmus ist, vielleicht bringt es doch was: http://t.co/u8Nvs9O” Der Link führt zu einer Anarchisten-Wiki. Hätte ich das gesehen bevor ich antwortete, vielleicht hätte ich nicht geantwortet. Zunächst ging mir seine Verteidigungshaltung auf die Nerven, neben der Humorbefreitheit ein weiteres Merkmal vieler “kritisch Denkender”. “Alter, hol mal den Stock aus’m Arsch. Ich will’s wirklich wissen, ohne Ironie, herrje. Immer dieses verfickte wernichtfürunsist… Und jetzt les ich den drecksverrickten Link…” Ich fluche gern.

“Wenn wir darüber Konsens haben, gibt es auch noch weitere Texte…”

“Hab mir jetzt mal mehrere Texte da durchgelesen und ich glaube wir werden keinen Konsens finden.” Ich habe den ersten tatsächlich komplett gelesen, zwei weitere überflogen. Mich interessierten vor allem Passagen über die reale Umsetzbarkeit von Anarchie. Sein großkotzig wirkendes Angebot, mir weitere Texte geben zu wollen verdarb mir schon die Laune.

“Das ist schade, aber nicht zu ändern.” Wieder so ein Punkt an dem es hätte vorbei sein können. “Twitter wär für so eine weitreichende Diskussion über die realistische Umsetzbarkeit von Anarchie ohnehin zu beschränkend…” Aber einen Troll wird an so schnell nicht los… er ahnte dass ich Blut geleckt hatte. “Ja stimmt, aber wie Berkman in seinem Manifest schon schreibt, Anarchie bedingt Kommunismus, also die Überwindung der Warenlogik.” Verdammt. “Ich halt’s weder für umsetzbar noch für erstrebenswert. Teile der Idee sicherlich, aber hängen imho mehr Probleme dran.” In my humple fucking opinion.

“Dann ist es vielleicht an der Zeit, über diese Probleme den gesellschaftlichen Diskurs zu eröffnen, statt über g+ zu streiten.” Oh, natürlich. Wenn sich Twitter mal mit einer Sache (außer sich selbst und anderen sozialen Netzen beschäftigte) dann ja wohl mit gesellschaftlichem Diskurs. Vielleicht nicht auf einer Ebene die sämtliche bestehenden Systeme überkommt, aber ein Diskurs über die Entwicklung der Gesellschaft ist vorhanden. “Eine funktionierende Anarchie ist momentan weiter weg als ein einflussreiches Social Network. Und beide Themen werden diskutiert. Vielleicht nicht “funktionierende Anarchie”, aber gesellschaftliche Veränderungen definitiv.” Bei den Grünen wäre ich Realo gewesen.

“…ob man die Gesellschaft später dann Anarchie nennt, ist zweitrangig und nicht jede Veränderung, ändert auch was…” Worthülsen. “Ich glaub eher an eine evolutionär verbesserte Demokratie. Regierungslos wird nie funktionieren befürchte ich.” “…und dies ist sehr schön an der Sozialdemokratie zu sehen, die Sozialistengesetze wurde aufgehoben, nachdem sie zahnlos wurde” fuhr er fort. Die SPD als Beispiel zu bringen ist Unfair. Egal worum es geht. Man sollte die SPD aus dem Spiel lassen, das ist wie Katzenbabys verprügeln. “Wenn ich von einer “besseren” Demokratie rede rede ich nicht vom marodierenden deutschen Parteiensystem.” “Demokratie bedeutet doch immer, dass sich Menschen, der Entscheidung anderer beugen müssen, ist also in jeder Form Herrschaft.” “Und wie setzt man Regeln (=Gesetze) in einer regierungslosen Gesellschaft durch? Vertraust du so sehr an das gute im Menschen?” Normalerweise glaube ich an das gute im Menschen. Ich glaube dass kein Mensch von Natur aus böse oder so etwas ist. Aber seine Theorien verließen sich etwas zu sehr darauf befürchtete ich.

“Ich gehe einfach davon aus, dass die Konfliktpotentiale in einer solidarischen vs. konkurrierenden Gesellschaft abnehmen.”

Das ist der Punkt ab dem diese Diskussion tot war. Er geht einfach von etwas aus. Ich hätte es merken müssen, überlas es aber beim hin und her von Nachrichten auf meinem Apple iPhone(™). Ich dachte ich könnte ihn jetzt kriegen, in eine Falle locken, ihn dazu bringen dass er merkt dass da ein ungelöstes Problem lauerte…

“Und wenn doch mal jemand wen im Affekt erschlägt? Lynchjustiz?”

“Vor Affekthandlungen schützen aber auch keine Strafen oder Polizei, aber ein solidarisches Miteinander ist echte Prävention.” Er wich aus. Ein neuer Versuch: “Das ist keine Antwort… oder glaubst du dass es keine Verbrechen mehr geben wird?”

“Nein, das glaube ich nicht, aber es wird weniger geben,allein schon wenn du rechte und linke Kriminalstatistik heute vergleichst.” Was taten linke und rechte zur Sache? “Weniger ist nicht gar keins. Was tut man wenn ein Verbrechen geschieht? Wie klärt man ein “Verbrechen” auf? Und es gibt ja nicht nur “linke” und “rechte” Verbrechen…” “Was nützt es ein Verbrechen aufzuklären, dadurch wird das Verbrechen nicht rückgängig gemacht…” Er wich der Frage wieder aus. Ich legte einen Gang zu, ich wollte eine Antwort auf die Frage, die mir Einblick in den Geisteszustand dieses Anonymen Twitter-Accounts mit Titten-Avatar und Anonymous-Sympathien verschaffen konnte. “Also kannst du jemanden Vergewaltigen, bestehlen, ermorden und danach ist alles wie vorher?” Ich versuchte es darauf sogar noch einmal investigativer: “Ich glaube eher du gehst der Frage aus dem Weg. Ich glaube es würde Lynchjustiz geben, die Gemeinschaft würde sich rächen.” “Das stimmt, aber Leute die diesem Denken näher sind, begehen kaum Körperverletzung und das wäre das einzig mögliche Verbrechen…”

Vielleicht war es mir einfach nicht möglich mir vorzustellen dass er es ernst meinte. Wenn ich im Diskussions-Modus bin nehme ich trollige Kommentare nicht mehr wahr.

“… unter der Vorbedingung der warenlosen Gesellschaft (Kommunismus)…”

Er hörte nicht auf. Er legte noch einen drauf. “Körperverletzung wäre das einzige mögliche Verbrechen? Diebstahl? Sachbeschädigung? Oder einfach nur sich nicht zu beteiligen? Was macht man mit dem was heute gern mal “Sozialschmarotzer” genannt wird?” Ich hasse dieses Wort, vermutlich genau so sehr wie er. Vielleicht auch nicht. Ich finde es jedenfalls schrecklich. Aber die Gesellschaft die ich nach dem lesen des Anarcho-Wiki-Artikels vor Augen hatte da eine Schwachstelle. Was ist wenn sich einige einfach nicht an der Gemeinschaft beteiligten? Eine Antwort erhielt ich nicht. Ab jetzt wurde die Diskussion unübersichtlicher. “Darauf habe ich gerade geantwortet, unsere Tweets haben sich zeitlich überschnitten ;) ” Was meinte er? “Wir haben heute geplante Obsoleszenz, Produktion für den Markt, Militär etc… ohne das reicht eine Arbeitszeizeit von 10% aus und diese 4-5 Stunden in der Woche würden die meisten Menschen als Freizeitbeschäftigung sehen, also ist es egal.” Ha! Zahlen! Damit ist er geliefert! Wenn man Zahlen bringt muss man die Belegen können! “Da will ich aber echt mal knallharte Zahlen sehen… was ist mit Gütern die Importe benötigen?” Ich hätte die Importe nicht ins Spiel bringen sollen, sie boten ihm eine Gelegenheit zum Themenwechsel. Aber sie waren mir wichtig. “Es geht ja nicht nur um “überleben”, was ist mit Sachen wie technischem Fortschritt ohne Militär und Raumfahrt?” Woher kriege ich die verfickten seltenen Erden für mein verficktes Smartphone?

“Viele Produkte werden einfach nicht mehr notwendig sein, weil sie irgendwie nur die Logistik der Kapitals sicherstellen. Entwicklungen können an den Unis passieren und heute gibt es Maschinen ca. 10.000€ mit denen du Leiterplatten herstellen kannst. Dann wird eben z.B. nicht mehr der dickste Geldbeutel gesellschaftliche Anerkennung finden sondern der größte Erfinder…”

Ich musste einen Ausweg finden. Langsam wurde auch mir klar dass das nichts mehr wird. “Mir ist das zu viel “wird von allein passen” und zu viel Ungewissheit. Und vor lauter revolutionärer Träumerei befürchte ich dass man die mittelfristigen Verbesserungen verpasst.” Es folgt eine sensationelles hätte-könnte-würde-non-Argument: “Der Witz ist ja, dass solange du aus dem Schlammloch nicht raus kommst, kannst du es nicht ausprobieren und d.h. Revolution. Die mittelfristigen Verbesserungen verlängern eben nur das Siechtum des kapitalistischen Systems und nicht mehr.” If we never try we never know. Aha. Die Probleme würde er sicher begreifen: “Dann müsste es aber parallel zu einer globalen Revolution kommen. Sonst hilft der Nachbar einfach aus (marschiert ein).” “Ja richtig, die #Revolution muss weltweit stattfinden, das wussten aber auch schon Marx, Luxemburg und Dutschke.” Ich stand an der Kasse im Supermarkt und vergaß fast meine kapitalistischen Einkäufe zu tätigen. Er versuchte jetzt nachdringlich mir klarzumachen dass sein Abstand zur Realität von Tweet zu Tweet größer wurde: “Ich glaube wir sind doch auf einem guten Weg zum Konsens ;) ” What. The. Funk.

“Jetzt mal ehrlich… dafür hat die Menschheit zu viele Probleme mit den Nachbarn.” ” Ich denke die Weltrevolution hat bereits begonnen und zwar in Kairo, #Anonymous hilft sie in den Westen zu tragen.” “Ne. Weil ich glaub dass eine Anarchie entweder im finsteren Mittelalter oder in Faschismus enden würde.” Ich hatte keine Lust mehr auszuformulieren. “Das wird sich vielleicht dann ändern wenn Außerirdische landen und es ein neues “aussen” gibt.” “Nein, die Revolution kann nur von unten stattfinden, Ägypten ist im wahren Sinne ein Lehrbuchbeispiel dafür. Ich habe dir doch alle deine Fragen beantwortet, wo siehst du in meinen Antworten eine Rückkehr ins Mittelalter?” Maximaler Realitätsabstand erreicht.

“Die danach was passieren würde wenn jemand ein Verbrechen begeht. Und ich glaube nicht dass Infrastruktur einfach so funktioniert. Wer entscheidet z.B. auf welche Art Strom erzeugt wird? Manche finden AKWs gut, andere nicht. Konflikt. Wie findest du einen Kompromiss? Durch Diskussion und Abstimmung. Was ist das? Oh, Demokratie.” “Wie handelst du, wenn jemand in deiner Familie gegen die Regeln verstößt? Gehst du dann zur Polizei?” Wieder ignorierte er meine Frage, konterte mit einem maximal herunterskalierten Beispiel das auch noch mich persönlich beinhaltete. Ich und meine Freunde. Ein tolles Beispiel an dem man ein Experiment an der gesamten Menschheit begründen will. “In meiner Familie ist nie Verbrechen geschehen. Wenn das passieren würde: ja, ich würde sowas von zur Polizei gehen.” Unwichtige Antwort, es ging jetzt eh durcheinander. Er ging zunächst doch noch auf mein Storm-Beispiel ein: “Auf jedem Fall dezentral vernetzt, dann können die Menschen vor Ort darüber entscheiden…” “In einer lokalen Demokratie? Was ist mit regional übergreifenden Themen? Ort A bebaut einen Acker im “Grenzgebiet” den Ort B auch bebauen will. Du hast Staaten die wiederum Konflikte haben. Wie lösen sie die wenn Reden nicht hilft? Gewalt. Ergo: Krieg.” Ich benutze das Wort “Ergo” sehr gerne. Keine Ahnung ob ich es richtig benutze. Drauf geschissen, ich benutze es einfach gerne.

“Achso du stimmst mit deiner Freundin demokratisch darüber ab, was zu passieren hat, was ist bei Unstimmigkeit?” Wieder der Vergleich mit dem Freundeskreis. Den Trick hatte ich jetzt aber bemerkt. “1. Scheißvergleich, weil kleine Gruppe von eng bekannten hat ‘ne andere Dynamik als eine große die sich weniger gut kennt. 2. Wenn der Konflikt eskaliert spaltet sich die Gruppe und geht unterschiedlichen Interessen nach. 3. Du weichst schon wieder auf indem du auf ein winzig runterskaliertes Beispiel ausweichst, das auch noch persönlich wird. Kannst du mal anfangen richtig zu diskutieren statt einfach nur auf ‘ner emotionalen Ebene versuchen mich zu überzeugen?”

“Das ist von Fall zu Fall zu entscheiden, aber das machen die Menschen selbst, … ich wäre in dem Fall für ein Konsensverfahren.” “Und wieder: was ist wenn kein Konsens gefunden werden kann? Wie wird verfahren? Und überhaupt, merkst du’s nicht? “Konsensfindung” unter Beteiligung aller ist direkte Demokratie!”

“Wir gingen doch von einer Solidargesellschaft aus, du darfst die gesellschaftlichen Konflikte heute nicht von den Ursachen lösen” und “Nein Staaten wird es nicht mehr geben.” Wir gingen doch davon aus… er lebt in seiner eigenen Welt. Seine Vision von Anarchie funktioniert deshalb, weil er die Ausgangsbedingungen so zurechtdrehte dass es funktionierte.

“Das ist wirklich extrem naiv einfach alle Konflikte dem Kapitalismus zuzuschieben. Menschen sind komplexer als das. Konflikt. Keine Konsensfindung. Die stärkere Gruppe setzt sich durch. Faschismus. Du argumentiert schon religiös. Keine Antwort, einfach “die Menschheit wird so funktionieren”.” Ich bulshittete mir nur noch die Sätze in meine Handytastatur.

“Warst du schon mal in einem Dorf? In Großstädten werden sich entsprechend passende Größen etablieren, Straßenzüge etc.” Die Sätze trudelten Versetzt zu meinen ein. “Was völlig legitim ist.” Der war vermutlich auf das Durchsetzen der stärkeren Gruppe bezogen. “Nein… ich will dir nur die Vorstellung erleichtern.” Dieser wiederum auf meinen Vorwurf er würde nicht argumentieren.

“Ich lebe in einem Dorf. Gerade Dörfer neigen zu Abneigung von Fremdem. Du ignorierst alle möglichen Probleme.” “Dann werden Leute evtl. in die Nachbarstadt auswandern, wo ihre Idee Konsens ist.” Wieder dieses “eventuell”.  “Es bilden sich also große Gruppen gleichdenkender?” Er würde es vermutlich nicht kapieren, die Folge von dem was er beschreibt. Ich fing von einem anderen Ende an: “Wir haben in der Steinzeit schonmal da angefangen. Und sind über diverse Umwege hier gelandet. Ich glaube dass die Menschheit als großes Ganzes den richtigen Weg nimmt, wenn auch mit Kurven.” Das ist die Utopische Vorstellung die ich mit mir rumtrage. “Und wir sollten den der Demokratie weitergehen. Weil der Weg stimmt. Natürlich (!) ist vieles noch im Arsch.” Keine Frage. “Aber das sind Dinge die sich evolutionär ändern. Revolution zur Anarchie wäre ein Reset auf 0, der wieder alle Fehler neu begeht.”

“Es geht um die Unterordnung eines gegen meinen Willen gefassten Beschlusses, wenn ich das akzeptieren muss, ist es Demokratie ja. Die Gruppe spaltet sich… Wo ist das Problem?”

“Was ist denn die Alternative? Wegziehen! Das kannst du jetzt doch auch. Zieh in einen Staat der mit dir im Konsens ist! Gruppen spalten sich weil sie unterschiedlicher Meinung sind. Darauf entstehen Konflikte.”

“Das hat nichts mit Religion zu tun, das hat damit zu tun, welche Funktion der Staat hat… Marx: “absterbender Staat”.” Zitieren ist einfacher als selber denken. “In einer anderen Gesellschaft wird es ganz andere Fragestellungen geben… das können wir uns heute nicht im Ansatz vorstellen.” Wieder ein völlig bescheuertes nicht-Argument. Wieder religiöses Argumentieren. Man kann es sich als einfacher kleiner Mensch einfach nicht vorstellen. Das soll dann alle Gegenargumente entkräften. Ich renne in einem neuen Anlauf gegen diese Tweet-Wall des Stumpfsinns: “Staaten in der jetzigen Wahrnehmung, so what. Aber Demokratie ist Anarchie überlegen weil sie das Zusammenleben organisiert.” Siehe Lynchjustiz. “Eine Organisation des Zusammenlebens ist unabdingbar. Ob in kleinen Gruppen oder großen: Konsensfindung ist Demokratie. Die Freiheit wegzuziehen hast du jetzt auch schon. Was für ein Bullshit! Eine Gesellschaft über einen gewalttägigen Umbruch herbeiführen die du dir nicht vorstellen kannst?” Ich würde wetten dass er Fight Club im Regal stehen hat. “Lös dich einfach mal von dem Demokratiegedanken, sie wird verherrlich aber sie ist kein Heilsbringer… das ist ein Irrglaube.” Er drehte völlig stumpf das Religions-Argument um und gegen mich. Was für ein Arschloch.

Im Moment der Diskussion war es mir nicht klar. Aber jetzt merke ich: er trollt schon länger. Vermutlich eine langjährige Ausbildung im Heise-Forum und im Kommentarbereich der taz. Kontern wurde fast zwecklos… “Ich sagte nicht Heilsbringer. Aber das was du beschreibst ist Demokratie im Kleinen, die sich dann wieder zum Großen sammelt. Konsensfindung einer lokalen Gruppe. Die gleicher Meinung sammeln sich. Es entstehen große Gruppen ähnlicher Meinung. Bald hast du wieder das Problem: es gibt 1000 Themen, und keine Konsensgruppen. Also wird eine Gruppe über andere überstimmen.”

“Herrschaft kann einer freien Gesellschaft niemals überlegen sein, Kapital hat feudal und dieser hat Sklaven abgelöst, Freiheit.”

“Weil es anders nicht geht! Die Mehrheit wird entscheiden. Und die anderen nehmen das hin mal überstimmt zu werden, weil das Leben in einer größeren Gruppe besser funktioniert. Oder so: anders nicht funktioniert! Anarchie ist keine Freiheit, Anarchie läuft auf das Recht des Stärkeren hinaus. Anarchie ist ein völlig utopischer Traum, der den Blick auf die echte Welt vernebelt. Die nämlich fucking Komplex ist.” Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich. Puh. Und er so: “Sicherlich, im Mittelalter hat man sich keine Gedanken über Arbeitslosigkeit gemacht.” What?!? “Dein Traum von Anarchie bricht die Komplexität vieler Meinungen herunter und ignoriert alle Probleme. Und jetzt hör mal auf polemisch außenrumzureden und sag mir was Lynchjustiz verhindern würde im Falle eines Verbrechens.” Ich versuchte mal zurück auf die Spur zu kommen. Haha, ich glaubte vermutlich sogar selbst daran es schaffen zu können… ich dummer Narr.

“Ja die Gruppen werden verschmelzen und sich wieder spalten… eine ewige Dynamik. Aber solange du auf diesem Standpunkt bleibst, wirst du keine freie Gesellschaft aufbauen können.” “Solange du auf deinem Standpunkt bleibst wirst du gar keine funktionierende Gesellschaft aufbauen können. Du ignorierst die gesamte Komplexität des Menschen, von Meinungen, Gefühlen, Geschmäckern, und Sachen wie Hass.” Solidarität untereinander hat nämlich nichts damit zu tun dass Menschen sich hassen können, aus völlig irrationalen Gründen. “Dumme Medienschelte, weil es Leute gibt, die von der Angst profitieren: #Terror wir werden alle sterben, der Taliban kommt.” Ein Anarchist diskutiert mit der Terrorkeule.

“Was du dir ausmalst ist eine heile Traumwelt die mit echten Individuen niemals funktionieren wird. Und das schlimmste: du beschreibst demokratische Prozesse und nennst es Anarchie.” Mein Gehirn war kurz vorm Platzen. “Was anderes als Polemik hast du nicht drauf?” schmett0rte ich ihm entgegen. “Unsinn… warum sollte ich einen bewaffneten Raubüberfall in einer warenfreien Gesellschaft begehen? das ist doch bullshit.” Fuck it. Es macht wirklich keinen Sinn. Entweder er war ein wirklich guter Troll oder er war ein wirklich großer Vollidiot. Ich versuchte noch ein Maximum an dadaistischem Twitterspaß aus der verschwendeten Zeit zu schlagen.

“ich gebe mich geschlagen und warte jetzt Bier saufend auf die Weltrevolution. Live the dream!!!11″

Doch er hörte nicht auf. Vielleicht versuchte er mich noch einmal in sein schwarzes Loch des professional trollig sports hineinzuziehen. Es würde nicht mehr funktionieren.

“Da haben wir ja zum Glück historische Beispiele,die Ansätze bereits verwirklichten: Ukraine, Spanien und von aussen zerstört wird.” Ich machte mir nicht die Mühe zu googeln was er mir sagen wollte. “Ich ignoriere sie überhaupt nicht, genau darum geht es, weil die Menschen in der jetzigen Gesellschaft systematisch krank werden.” Mir geht’s erstaunlich gut muss ich sagen. “Nein du implizierst Sachen unter Demokratie Sachen, die mit Demokratie nichts zu tun haben, Demokratie ist Herrschaft.” Das hatten wir schon, denk dir was neues aus. “#Terrorangst ist Polemik? Sag das mal Herrn Schäuble… ;) ” Ah, guter Punkt. Ja, das werfe ich Herrn Schäuble tatsächlich vor. “Weiß du was? Fuck you. Du bist ein Trottel, du verwechselt Begriffe, du bist völlig humorbefreit und kannst nicht diskutieren #IMHO” “Ach komm, wir haben uns doch schon angenähert… jetzt nicht aufgeben.” Er ist definitiv ein Troll. Oder er ist ebenso trolldiskussionsanfällig wie ich. Ich weiß es nicht. In jedem Fall ist er ein Trottel. “Wir werden uns nicht annähern. Ich geb ungern eine Diskussion auf, aber ich muss auf meine Gesundheit achten.” Meine Ohren bluteten.

“Du sprachst von Herrschaftsform.. du hast mir Demokratie unterstellt, du hast die Existenz von Staaten zum Fetisch erklärt.” Nööhööö, ich will nicht mehr! Ich versuche seine eigenen Mittel: Ablenkung. “Übrigens find ich das Tittenbildchen-Avater ziemlich pubertär.” “Ich auch… aber wenn er wirkt, heiligt der Zweck die Mittel.” Fuck, fuck, fuck. “whatever that means.” Welches Ziel erreichen Titten-Avatare? Mehr Follower zum indoktrinieren? “btw: tut er nicht” Fun Fact: der Zweck heiligt nicht die Mittel. Der Zweck ist die Verhinderung eines Terroranschlags, der Zweck ist dass Jack Bauer einem mutmaßlichen Mitwisser die Finger einzeln bricht. Oder auf ein deutsches Beispiel bezogen: “Der Zweck heiligt die Mittel heißt Vorratsdatenspeicherung ist OK weil’s der Verhinderung von Mord dienen soll.”

“Ich hatte ursprünglich eine Faust als Avatar, da wurde mir vorgehalten, das erinnere an KZ.” Er tippte langsamer als ich, dabei twitterte er von Web und ich größtenteils vom iPhone. “Du kannst keine Straftat durch Strafverfolgung verhindern, du musst die Ursachen bekämpfen, das ist Prävention.” Er verstand es wohl wirklich nicht. Er verstand nicht dass seine Argumentation auch für die Gegenseite funktionierte.

Ich stieg endgültig aus, mit einem nicht zielgerichteten heruasgegrunzten “can’t… stop… feeding… the… trAAAWWWWLLLL”

“Achso du siehst dich als Troll? Da habe ich schon andere erlebt.” Noch etwas auf das ich allergisch reagiere: Witze kontern, die so nicht funktionieren. Ich kam, so humorlos es auch von mir war, nicht umhin ihn darauf hinzuweisen. “Der Witz funktioniert so nicht, ist dir klar, oder?” “Wenn du meinst… Es steht dir frei eine Meinung zu haben, auch wenn sie durch deinen Tellerrand begrenzt wird.” Er reizte mich nur noch. Troll, Troll, Troll, über all in bunt blinkenden Neon-Schriftzügen. Ich gab auf. Mein Kopf explodierte.

:-)

Für die Geschichtsbücher: die erste Konfrontation mit @peak_as kam Freitag Nachts nach einem Hangout vor. So gegen ein Uhr tauchte auf einmal Rene Walter (DER Nerdcore-Rene-Walter) in unsrem Hangout auf, nachdem wir alten Spaßvögel wild die Bloggerelite Deutschlands eingeladen hatten. Ich formulierte den sensationellen Wunsch, dass doch Sascha Lobo jetzt der einzige wäre, der das Vergnügen von der deutschen Alphablog-Prominenz beehrt zu werden noch steigern könnte. Schon hier war mir klar dass @peak_as eher von der humorbefreiten Sorte war. “Was wollt ihr mit @saschalobo, der die prekäre Beschäftigung der It-ler zum Ideal stilisiert? Geschmackssache, ob das Not tut… wie fefe jetzt sagen würde “beim ehemaligen Nachrichtenmagazin.” Ich erlaubte mir einen Scherz, der offensichtlicher nicht sein konnte: “Das ehemalige Nachrichtenmagazin nerdcore.de”? Was ich vergaß war der Zwinkersmiley. Darum musste mein Kopf diese Antwort ertragen: “spiegel :D ” Achse, den Spiegel meint er. Haha, und ich dachte Fefe nennt Nerdcore das “ehemalige Nachrichtenmagazin”. Oh man, ey. Später gab’s dann noch mal ‘nen Seitenhieb für die Erwähnung einer Schokoladenmarke durch @fasel, @eklias und mich. Kommerz und so fucking weiter. Ach, was schreib ich hier eigentlich noch. The Shape of Punk to Come ist gerade im zweiten Durchgang. Das Album solltet ihr mal hören, wirklich eins meiner Lieblingsalben. Eins der best produzierten Rockalben. Eins der best arrangierten Stücke harter Musik, das trotz der sperrigen und komplexen Abläufe und der aufwändigen Produktion immer noch den Charme eines Kellerjams hat. Und es ist emotional. Man spürt Wut. Wut gegen den Kapitalismus, okay. Aber die Aussagen sind mir da zweitrangig. Einfach ein großartiges Stück Musik und das vermutlich letzte mal dass eine Band so kompromisslos hinter ihren Aussagen stand. Das letzte Punk-Album.